Erste Schritte in die Circular Economy

Was ist die Circular Economy und was können kleine und mittelständische Unternehmen tun, um mit ihr wettbewerbsfähiger zu werden?

Die Bedeutung von Nachhaltigkeit für Unternehmen steigt

Gast-Beitrag von Emma L. Roach —

Seit der Veröffentlichung des letzten Artikels zum Thema Nachhaltigkeit in Unternehmen hat das Bundesverfassungsgericht es auf den Punkt gebracht: Der sorgsame Umgang mit den Ressourcen der Erde ist und wird eine alles überragende Aufgabe der Menschheit sein. Mit dieser Entscheidung und dem damit verbundenen Handlungsdruck der Politik wird insbesondere die Privatwirtschaft stärker in die Pflicht genommen, sozial und ökologisch zu handeln.

Im vorangegangenen Artikel habe ich über die Risiken und Potenziale des nachhaltigen Wirtschaftens berichtet. Dabei habe ich, neben dem wachsenden Handlungsbedarf, auch die zunehmenden Chancen beschrieben, die sich aus dem Zusammenspiel von Planet, People und Profit ergeben.

Um Nachhaltigkeit im Unternehmen angehen zu können, benötigt es neben der strategischen Verankerung auf Führungsebene eine Strategie für die systematische Implementierung. Eine solche Strategie ist die Circular Economy oder auch Kreislaufwirtschaft.

Ein erster Einblick in die Circular Economy

Die Circular Economy ist eine Nachhaltigkeitsstrategie, bei welcher der Lebenszyklus von Produkten so weit wie möglich verlängert wird. Das bedeutet, dass Abfälle auf ein Minimum reduziert werden. Nachdem ein Produkt das Ende seiner Lebensdauer erreicht hat, verbleiben die Ressourcen und Materialien im Kreislauf, anstatt entsorgt zu werden. Sie werden immer wieder verwendet und ermöglichen somit kontinuierliche Wertschöpfung.

Die Circular Economy stellt den ressourceneffizienten Gegenentwurf zu unserem traditionellen, linearen Wirtschaftsmodell, der “Wegwerfgesellschaft”, dar. In der Linearwirtschaft werden große Mengen Ressourcen und fossile Energie für die einmalige Nutzung verwendet, nach der ein Produkt zu “Müll” wird. Die Begriffe “Take, Make, Waste” sind eine zugespitzte Beschreibung dieser Art der Ressourcennutzung.

Viele verbinden den Begriff der Kreislaufwirtschaft ausschließlich mit Recycling - der Rückführung von Materialflüssen in das Produktionssystem. Es etabliert sich jedoch zunehmend ein weiter gefasstes Bild der Circular Economy, das neben dem Recycling von Materialien auch einen ganzheitlichen Blick auf das Unternehmen in seinem Ökosystem wirft.

Der internationale Think Tank der Ellen MacArthur Foundation fasst die Circular Economy in drei Prinzipien zusammen:

  1. Eliminierung von Abfall und Verschmutzung im Produktdesign
  2. Verlängerung der Lebensdauer von Produkten und Materialien
  3. Regenerierung natürlicher Systeme


Konkrete Anwendungsbeispiele

Die Anwendung der Circular Economy orientiert sich an einer Reihe von Maßnahmen, von denen das Recycling die wohl bekannteste, jedoch auch ressourcenintensivste ist. Im Folgenden sind die wichtigsten Maßnahmen aufgelistet:

  • Erhalten (Maintain): Das Erhalten von Wert trägt zur Verlängerung der Lebensdauer eines Produkts bei. Beispiel: Shiftphone produziert modulare Handys und generiert dadurch zusätzlichen Umsatz mit Ersatzteilen.
  • Wiederverwenden (Reuse): Das Wiederverwenden von Produkten und Materialien kann Abfall und Kosten reduzieren. Beispiel: reCIRCLE bietet Essensdosen als Dienstleistung (“lunchboxes-as-a-service”) an und etabliert so ein Mehrwegsystem für Essen zum Mitnehmen.
  • Reparieren (Repair): Das Reparieren von Produkten ermöglicht ebenfalls eine längere Lebensdauer und generiert zusätzlichen Wert durch die Dienstleistung. Beispiel: FixFirst ist eine Software zur digitalen Abwicklung von Reparatur- und Wartungsdienstleistungen.
  • Sanieren (Refurbish): Das Sanieren von Produkten geht einen Schritt weiter als eine Reparatur und beinhaltet ggf. den Austausch von Einzelteilen. Beispiel:  Refurbed ist ein Marktplatz für hochwertig sanierte, gebrauchte elektronische Endgeräte wie Handys und Laptops.
  • Wiederaufbereiten (Remanufacture): Das Wiederaufbereiten geht noch weiter als eine Sanierung, indem aus Teilen alter Produkte völlig neue hergestellt werden. Beispiel: Rype Office stellt aus gebrauchten Teilen neue, hochwertige Büromöbel her.
  • Rückgewinnen (Recycle): Die Rückgewinnung von Materialien verringert den Bedarf an stetig knapper werdenden Rohmaterialien, ist jedoch von allen aufgeführten Maßnahmen die energieintensivste. Beispiel: MontECOlino schreddert Teppiche von Veranstaltungen und erstellt daraus neue rezyklierbare Produkte.

Chancen in der Circular Economy

Neben dem Handlungsdruck entstehen durch die aufgeführten Maßnahmen auch Chancen für jene Unternehmen, die sich frühzeitig mit der Circular Economy auseinandersetzen.

Kosteneinsparungen: Ein wichtiger Faktor für Unternehmen wird der steigende CO2-Preis sein, der sowohl bei nicht-rezyklierten Primärrohstoffen, als auch bei fossilen Brennstoffen zu einer Teuerung führen wird. Ein weiterer Punkt ist die zukünftige Kopplung von Investitionskrediten an die Nachhaltigkeitsperformance der Unternehmen. Unternehmen mit schlechter Nachhaltigkeitsperformance könnten in der Zukunft schwieriger und kostenintensiver an neues Kapital kommen.

Neue Geschäftsmodelle: Bisher weniger betrachtet ist das Potenzial, durch die Transformation hin zu einem Circular Economy Modell neue Einnahmequellen zu generieren. So können durch Sharing-Konzepte und modulare Bauweisen neue Geschäftsmodelle entstehen. Durch den Handel mit ungenutzten Nebenerzeugnissen aus der eigenen Produktion (hier wurde bewusst nicht das Wort “Abfall” gewählt) kann zusätzliches Einkommen generiert werden.

Regulatorik: Durch aktuelle Entwicklungen, wie das kürzlich verabschiedete Lieferkettengesetz, müssen Unternehmen nun auch auf die Nachhaltigkeit ihrer Partner achten. Selbst kleinere Zulieferer, die nicht direkt von der Regulatorik betroffen sind, werden sich künftig durch eine Ausrichtung an der Circular Economy einen Wettbewerbsvorteil verschaffen können.

Kund:innen- & Mitarbeiter:innenbindung: Nachhaltigkeit ist mittlerweile in der Mitte der Gesellschaft angekommen und spiegelt sich auch in den Bedürfnissen von Kund:innen und Mitarbeiter:innen wider. So erzielen Unternehmen mit nachhaltigen Produkten insbesondere im B2C-Bereich höhere Margen als solche mit konventionellen Produkten. Außerdem spielt ein Nachhaltigkeitsfokus gerade für jüngere Generationen bei der Jobwahl eine große Rolle.

Den Einstieg in die Circular Economy finden

Viele Ankündigungen einer Nachhaltigkeitstransformation entfallen auf Großunternehmen wie IKEA mit ihrem Second-Hand-Programm “Zweite Chance” oder Microsoft, die bis 2030 “Abfall-neutral” werden wollen. Jedoch spielt gerade in Deutschland der Mittelstand eine viel wichtigere Rolle. Und genau dieser steht zum großen Teil noch vor einem Einstieg in die Circular Economy.

Wir helfen Ihnen dabei, auch ohne Vorkenntnisse, den ersten Schritt in die Circular Economy zu gehen. Dafür haben wir ein für den Mittelstand erprobtes Konzept entwickelt, welches ein drei- bis fünfköpfiges, interdisziplinäres Team innerhalb eines dreitägigen Sprints in die Circular Economy einführt und das Unternehmen auf seine Potenziale analysiert sowie konkrete Handlungsempfehlungen zur weiteren Umsetzung entwickelt.

Das Circular Business Framework ist Praxis und Wissenschaft

Die Grundlage unserer Formate ist das durch unser Teammitglied Julian Lauten-Weiss entwickelte Circular Business Framework (CBF), das erste Werkzeug zur ganzheitlichen Erfassung von Geschäftsmodellen im Sinne der Circular Economy. Das CBF bringt den Stand der Entwicklung der Circular Economy in die Unternehmenspraxis. In die Weiterentwicklung des Frameworks fließt das Know-How unserer Partner; wie dem renommierten Wuppertal Institut, der Effizienz-Agentur NRW sowie einer Vielzahl an Nachhaltigkeitsexpert:innen aus der Praxis. Das CBF wird als Startpunkt für die Erstellung oder die Neuauflage der Nachhaltigkeitsstrategie von Unternehmen genutzt.

 

Emma L. Roach

Als studierte Nachhaltigkeitsexpertin verantwortete Emma L. Roach die Entwicklung und Umsetzung integrierter Ressourcennutzungskonzepte weltweit (Indien, Syrien, Jemen). In Digitalisierungsprojekten leitet sie die Entwicklung Web- und App-basierter Produkte und Services, digitalisiert und automatisiert Kundenkommunikation mit Hilfe von K.I. und bringt nutzerzentriertes Design in Innovationsprozesse. Heute vereint sie Nachhaltigkeit und Digitalisierung in der Analyse und Entwicklung zukunftsfähiger Geschäftsmodelle von Mittelständlern und Start-ups. Emma L. Roach entwickelt gemeinsam mit der Wissenschaft Nachhaltigkeitsanalysen für Unternehmen und kooperiert mit der Designakademie Berlin zum Thema Kreislaufwirtschaft.

Emma L. Roach ist Teil des Beraternetzwerks unserer Unternehmensberatung weform GmbH. Mehr Informationen finden Sie hier.

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