Liebe Leserinnen und Leser,

der Monat Januar ist gelaufen und Sie haben sicherlich - wie jedes Jahr - Ihre Vorsätze umgesetzt und abgearbeitet.

Eines aber sicher nicht: der Bauch muss weg. Aber nein, nicht der Wohlstandsbauch. Die Rede ist vom so genannten Mittelstandsbauch im Steuertarif, mit dem die Steuerbelastung mit jedem zusätzlich verdienten Euro weiter steigt. Sollten hier eigentlich die Spitzen- und Topverdiener mit dem Spitzensteuersatz von 42 % belegt werden, so bedeutet dies, dass bereits ab einem Jahresbruttogehalt von EUR 52.882,00 (bei durchschnittlich 13,6 Gehältern ein monatliches Brutto von EUR 3.900,00) der Spitzensteuersatz zur Anwendung gelangt. Dieser wird heute (vgl. WamS v. 04.02.2018: Die Frustrierte Mitte) schon bei dem 1,3-fachen des durchschnittlichen Vollzeiteinkommens erreicht. In den 1960er Jahren musste man noch das 18-fache des Durchschnittseinkommens verdienen, um in diesen "Genuss" zu gelangen.

Dies wird seit Jahren von Ökonomen unterschiedlichster Lager einstimmig kritisiert und führt dazu, dass sich die Leistungsträger der gesellschaftlichen Mitte verprellt und ungerecht behandelt fühlen. Zu Recht, und leider wird sich wohl nichts daran ändern. Auch wenn wir das Thema Gerechtigkeit auf der Agenda des letzten Bundestagswahlkampfes hatten und die Ankündigungen der "GroKo"-Protagonisten voll davon sind.

Gerecht wäre es doch, den genannten "Verteilungsspielraum von EUR 46 Mrd" dafür zu nutzen. Gerecht wäre es auch, zur Abschmelzung des Mittelstandsbauches die gleiche Grenze von EUR 75.000,00 wie bei der beabsichtigten Zahlung des Baukindergeldes anzupeilen. Das wäre ein deutlicher Schritt in die richtige und gerechtere Richtung.

Aber was ist schon gerecht. Da bleiben wir doch lieber bei unserer Justitia, der Göttin der Gerechtigkeit und häufigsten Darstellung von Gerechtigkeit im westlichen Kulturkreis mit Waage (abwägend) Schwert (urteilend/strafend) und Binde (ohne Ansehen der Person).

Ob es dann allerdings bei Recht und Justiz in der Praxis so zugeht, überlassen wir Ihrem Urteil. Helfen dabei sollen Ihnen die Ausführungen meines Kollegen RA Ingolf F. Kropp zu einem arbeitsrechtlichen Thema. Dieser wird mich im Übrigen zukünftig auch als Verfasser des Vorwortes in regelmäßigem Wechsel unterstützen. Eine echte Bereicherung und mehr als gerecht, wie ich finde.

Mit besten Grüßen
Günter Erdmann
SCHLARMANNvonGEYSO