Liebe Leserinnen und Leser,

dieser Sommer oder wieder einmal ein "grüner Winter" haben bisher wenig Veranlassung geboten, darüber nachzudenken, den Hemdkragen zu öffnen und die Krawatte abzulegen. Zugegebenermaßen ein rein männliches Thema, aber auch unser Berufsstand bleibt nicht davon verschont, darüber nachzudenken, dass Krawatten - auch als Längs- oder Querbinder - möglicherweise ausgedient haben und als nicht mehr zeitgemäß angesehen werden, wie uns ja die Vorstände deutscher Großunternehmen und zuletzt auch Kreditinstitute vorleben.

Schade eigentlich, aber wir in unserem Unternehmen halten an der externen Schlips-Tradition fest, keineswegs deshalb, weil uns Rechtsanwälte dies etwa unsere Berufs- und Kleiderordnung vorgeben würde. Der Rechtsanwalt trägt vor Gericht als Berufstracht eine Robe, soweit dies üblich ist (§ 20 BORA) formuliert die Berufsordnung der Rechtsanwälte. Damit hat sich aber das Thema Krawatte noch lange nicht erledigt.

Bis zum Bundesverfassungsgericht ging im Jahre 2012 die Frage, ob ein Strafverteidiger in einer Hauptverhaltung zurückgewiesen werden konnte, weil er der zweimaligen Aufforderung des Vorsitzenden zum Anlegen einer Krawatte - weißes Hemd und Robe waren gegenwärtig - nicht Folge leistete. Gewohnheitsrechtlich gehört zumindest in Bayern zur Amtstracht eines Anwaltes eine "weiße Halsbinde". Das Oberlandesgericht stellte klar, dass es keine unzumutbare Belastung darstelle, eine Krawatte anzulegen.

Finde ich eigentlich auch, vorausgesetzt man beherrscht die Handhabung des richtigen Knotens! Und vielleicht eins noch zu unserer Robe, die ja als einheitliche Juristentracht erstmals vom "Soldatenkönig" Friedrich Wilhelm I. mit einem eigenhändigen Schreiben vom 05.04.1713 an seinen Justizminister verfügte: "die atvocatten sollen schwartz gehen mit ein Menttelchen biß an die Knie" und nach der Verordnung sollte dies dazu dienen, die Spitzbuben schon von weitem zu erkennen!

Und dazu passt ja dann auch, dass es erfreulicherweise nach einer aktuellen Entscheidung des BGH (AnwBl. 2017,88) ein Werbeverbot für die Anwaltsrobe gibt. Ein Kollege hatte die glorreiche Idee, auf seiner Robe im Rückenbereich in weißen Buchstaben mit seinem aus einer Entfernung von acht Metern lesbaren Namenszug und der Internetadresse seiner Kanzlei zu werben. Vielleicht auch ein Grund dafür, warum die Zahl der niedergelassenen Anwältinnen und Anwälte sinkt (zum 01.01.2017 nur noch 163.449!!)

Also dann bleiben wir doch lieber beim Krawattenzwang und freuen uns, Sie so - in der Regel - begrüßen zu dürfen. Die Lektüre unseres aktuellen INFOBRIEFes wird dann hoffentlich über das Sommerloch hinweghelfen.

Mit besten Grüßen
Günter Erdmann
SCHLARMANNvonGEYSO